Die Sackgasse im Kopf: Was tun, wenn die unbewusste Erinnerung an negative Schulerlebnisse das Lernen blockiert?

Immer wieder mache ich die Erfahrung, dass die Kinder, die mit Lernschwierigkeiten in mein Coaching kommen, nicht nur ein rein "lerntechnisches" Problem haben, sondern dass dabei stets auch mit der Schule und dem Lernen verknüpfte Ängste und Stress eine Rolle spielen. Nach aktuellen Erhebungen haben rund 40% der Kinder Angst, wenn sie in die Schule gehen. Nicht selten zeigt sich diese Schulangst als Angst vor bestimmten Fächern oder vor bestimmten Lehrern oder richtet sich auf bestimmte schulische Aspekte. Die Kinder gelten als konzentrations- und motivationsschwach.

Die Schulangst kann vielfältige Auslöser haben und sich in einer Reihe von körperlichen und psychischen Symptomen und Verhaltensreaktionen ausdrücken. Der entwicklungsgeschichtliche Sinn dieser Angstreaktionen besteht darin, den Menschen in Gefahrensituationen auf schnelles Reagieren vorzubereiten - langes Überlegen wäre hier nur hinderlich oder sogar lebensgefährlich. Dementsprechend greifen die Stresshormone auch in den Gehirnstoffwechsel ein, blockieren den Gedankenfluss und erzeugen einen Tunnelblick: Die Wahrnehmung konzentriert sich auf den Fluchtweg, alles andere wird ausgeblendet. Gerade jene Systeme, die für das effektive Lernen unverzichtbar sind, werden also in Stressituationen "abgeschaltet".

Dass Angst und Stress das Lernen hemmen, wurde durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt (Verweis auf die Arbeiten von Gerald Hüther und Manfred Spitzer, siehe Buchtipps / Links). Eine Schlüsselrolle spielen hierbei schmerzhafte Situationen, die das Kind in der Schule erlebt hat, etwa das Bloßgestelltwerden durch einen Lehrer oder das Gehänseltwerden durch andere Schüler. Durch diese Erlebnisse wird unbewusst eine Verknüpfung von negativen Emotionen mit dem Lernen hergestellt. Diese unbewussten Assoziationen wirken dann quasi wie eine "tickende Bombe". Die Folge sind Vermeidungsreaktionen und Lernunlust - häufig falsch gedeutet als "Faulheit". So wird eine Teufelsspirale in Gang gesetzt: Konzentrationsschwäche, Unruhe, Aggression und Vermeidungsverhalten führen zu schulischen Misserfolgs-Erlebnissen, die wiederum die Verknüpfung der Schule mit negativen Emotionen weiter verstärken. Es reicht dann nicht mehr aus, dem Lernproblem nur mit Lerntechniken und Fleiß beikommen zu wollen. Als Voraussetzung, um die Lernenergien des Kindes freizusetzen, müssen zunächst die blockierenden Ängste aufgelöst werden, damit das Kind aus eigenem Antrieb lernen kann.

Den Teufelskreis durchbrechen